{"id":865,"date":"2023-04-30T17:56:13","date_gmt":"2023-04-30T15:56:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.battenstein.com\/blog\/?p=865"},"modified":"2025-02-03T12:53:29","modified_gmt":"2025-02-03T10:53:29","slug":"staubmessungen-im-untertagebergbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.battenstein.com\/blog\/2023\/04\/30\/staubmessungen-im-untertagebergbau\/","title":{"rendered":"Staubmessungen im Untertagebergbau"},"content":{"rendered":"<p>100 FEINSTAUBJAHRE \u2013 86 FEINSTAUBJAHRE \u2013 2 QUARZFEINSTAUBJAHRE<\/p>\n<p>STAUBMESSUNGEN IM UNTERTAGEBERGBAU<\/p>\n<p>BERICHT EINES ZEITZEUGEN<br \/>\nStellt ein Arzt eine Berufskrankheitenanzeige, weil ein ehemaliger Bergmann unter einer Erkrankung der Atemwege leidet, so muss die Berufsgenossenschaft grunds\u00e4tzlich von Amts wegen die in Betracht kommenden Berufskrankheiten pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Jenseits der Berufskrankheit Nummer 4111 z\u00e4hlen hierzu auch die Berufskrankheiten Ziffern BK Nr. 4101, BK Nr. 4301 und 4302 sowie BK Nr. 1315.<\/p>\n<p>Seit August 2022 ist auch eine neue Berufskrankheit nach \u00a7 9 Absatz 2 SGB VII zu pr\u00fcfen, chronisch obstruktive Atemwegserkrankung einschlie\u00dflich Emphysem nach Einwirkung von 2 Quarzfeinstaubjahren.<\/p>\n<p>Hervorgehoben werden m\u00fcssen die Erfahrungen eines Versicherten, der erhebliche Atemwegsbelastungen unter Tage als Hauer und im Streckenvortrieb sowie in seiner T\u00e4tigkeit als Staubmesser im untert\u00e4gigen Bergbau im Ruhrgebiet davongetragen hat.<\/p>\n<p>Dieser Versicherte wehrt sich gegen die Berechnung der Pr\u00e4ventionsabteilung der BG RCI, die eine Feinstaubjahrberechnung erstellt hat, die sehr niedrig ausgefallen ist.<\/p>\n<p>Durch seine Erfahrungen in den letzten 10 Jahre seines Berufslebens als Staubmesser unter Tage bestreitet der Versicherte entschieden die Richtigkeit der Berechnungen der Pr\u00e4ventionsabteilung auf der Basis der Angaben von Staubmessungen des Arbeitgebers.<\/p>\n<p>Hierzu f\u00fchrt der Versicherte folgendes aus:<br \/>\nDiese Staubmessungen erfolgten immer nach vorheriger Anmeldung.<br \/>\nDie Kumpel unter Tage beschwerten sich, dass bei Eintreffen der Staubmesser immer sehr viel Wasser zum Einsatz gekommen ist, damit die Staubentwicklung sich geringer darstellte, als sie tats\u00e4chlich war.<\/p>\n<p>Die extreme Zugabe von Wasser f\u00fchrte tats\u00e4chlich dazu, dass die Kohle nicht richtig gef\u00f6rdert werden konnte, wor\u00fcber sich die Kumpel beschwerten.<\/p>\n<p>Die Kumpel sagten dann, wenn ihr Staubmesser wieder weg seid, wird das Wasser wieder entzogen und dann k\u00f6nnen wir unter Tage wieder nichts sehen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gab es die Staubstufen 1 bis 5.<\/p>\n<p>Es kam vor, und zwar regelm\u00e4\u00dfig, dass man unter Tage wie vor eine Wand lief, weil man nichts mehr sehen konnte.<\/p>\n<p>Im Streckenvortrieb hat der Versicherte mit einem Kollegen als Staubmesser gearbeitet.<\/p>\n<p>Im Kohlenrevier waren f\u00fcnf Staubmesser regelm\u00e4\u00dfig unter Tage.<\/p>\n<p>In extremen Kohlenrevieren kam es regelm\u00e4\u00dfig vor, so der Zeitzeuge und Staubmesser, dass die Messungen so oft wiederholt worden sind, bis sie &#8222;stimmten&#8220;, also niedrig genug waren.<\/p>\n<p>Solche Messungen mussten dann drei- bis viermal wiederholt werden, im Kohlenrevier bzw. im Streckenvortrieb auch zwei- bis dreimal.<\/p>\n<p>Hierzu ist zu sagen, dass jeder Staubmesser f\u00fcnf Filter dabei hatte.<\/p>\n<p>In diesen extremen Revieren oder Streckenvortrieben waren bereits nach 15 Minuten die Filter voll.<\/p>\n<p>Wenn dann nach etwa 15 Minuten drei Filter bereits vollgelaufen waren, wurde der Vorgesetzte kontaktiert und die Messung wurde abgebrochen, weil ein ausreichend niedriges Ergebnis nicht zu erzielen war.<\/p>\n<p>In Kenntnis dieser Abl\u00e4ufe von Staubmessungen unter Tage muss davon ausgegangen werden, dass die bei den Berechnungen der Pr\u00e4ventionsabteilungen zu Rate gezogenen Staubwerte, welche auf der Basis solcher Messvorg\u00e4nge zur Verf\u00fcgung gestellt werden, regelm\u00e4\u00dfig viel zu niedrige Werte zugrunde liegen.<\/p>\n<p>Dieser Ablauf bei der Staubmessung hat Bedeutung f\u00fcr Parallelf\u00e4lle, in denen betroffene Versicherte Schwierigkeiten haben, ihre Feinstaubjahre mit 100 oder 86 Feinstaubjahren zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Nach einer T\u00e4tigkeit unter Tage sollte auch regelm\u00e4\u00dfig gepr\u00fcft werden, ob eine Silikose sich entwickelt, die auch Jahrzehnte nach der Belastung auftreten bzw. zur Darstellung kommen kann.<\/p>\n<p>Des Weiteren sollte auch auf das Vorliegen einer BK Nr. 4301\/4302 sowie 1315 gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Denn im Streckenvortrieb wurde verpresst.<\/p>\n<p>Isocyanate im Sinne der Berufskrankheit Nummer 1315 wirkten durch den Einsatz von Gebirgsverfestigern auf Bergleute unter Tage ein.<\/p>\n<p>Im untert\u00e4gigen Bergbau wurden betriebs\u00e4rztliche Untersuchungen durchgef\u00fchrt, deren Ergebnisse beigezogen und im Feststellungsverfahren einer Berufskrankheit eines Bergmanns ausgewertet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><span id=\"page3R_mcid24\" class=\"markedContent\"><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Rolf Battenstein<\/span><\/span><span id=\"page3R_mcid25\" class=\"markedContent\"><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">R<\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">echtsanwalt<\/span><\/span><span id=\"page3R_mcid26\" class=\"markedContent\"><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Fachanwalt f\u00fcr Sozialrecht<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Diese Staubmessungen erfolgten immer nach vorheriger Anmeldung. 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